Die Kolonialstadt Villa de Leyva

Samstag früh um 4:30 Uhr klingelte unser Wecker, denn zusammen mit Angie wollten wir einen Wochenendausflug nach Villa de Leyva machen. Laut Reiseführer ist es eine der schönsten kolonialen Städte Kolumbiens. Es war noch stockfinster und wir fuhren mit dem Taxi zum Busbahnhof. Im großen, bequemen Bus machten wir es uns für die nächsten zwei Stunden Fahrt gemütlich. Nach einmal Umsteigen und einer weiteren Stunde im Bus erreichten wir Villa de Leyva. Die Fahrt ging vorbei an Bergen, aber alles sah ziemlich ausgetrocknet aus, nicht so grün wie wir es noch von Neuseeland gewöhnt waren. Viele Häuser sind aus Backstein und haben terrakotafarbene Dachziegel. Es sieht ziemlich mediterran aus, fast so wie in Griechenland oder Spanien.
Unsere Mägen knurrten ganz schön als wir in Villa de Leyva ankamen und wir suchten uns am zentralen Plaza Mayor, einer der größten Markplätze Südamerikas, ein nettes Café. Angie bestellte uns ein paar typisch kolumbianische Spezialitäten: Tamal (ein Gericht aus verschiedenen Fleischsorten, Gemüse, Maismehl und Ei im Bananenblatt gegart), Almojabana (weiche kleine Brötchen mit Käsegeschmack), Arepa de Boyaca (knusprig gebratene Fladen aus Maismehl und kolumbianischem Käse). Dazu gabs noch Rührei mit ganz viel Käse und Schinken, frischen Mandarinensaft und kolumbianischen Kaffee. Alles war sehr lecker und danach waren wir ganz schön voll.
Da Angie in einer kolumbianischen Reiseagentur arbeitet, haben wir die Übernachtung im Hotel Antonio Nariño gratis bekommen. Nach dem reichhaltigen Frühstück waren wir ziemlich müde und machten deshalb erstmal eine kleine Siesta bevor wir am Nachmittag mit den Fahrrädern die Umgebung erkundeten. Am Anfang ging’s steil bergauf und es war ganz schön anstrengend. Die Wärme, die Höhe und die dünne Luft machten uns doch ein wenig zu schaffen. Wir radelten die Straße entlang und dann über Schotterpisten durch die schöne Landschaft. Rundherum hatten wir immer die tolle Bergwelt im Blick. Vorbei an den Seen “Pozos azules” fuhren wir zum El Fosil Museum. Dort gibt es ein 120 Mio. Jahre altes Baby Kronosaurus Fossil. Es liegt noch exakt an der gleichen Stelle, wo es gefunden wurde. Das kleine Museum wurde einfach um das Dinosaurierskelett herum gebaut. Es ist weltweit das am vollständigsten erhaltene seiner Art. In der Umgebung von Villa de Leyva wurden auch sonst sehr viele Fossilien gefunden, z.B. von Muscheln, die auch als Dekoration bei vielen Häusern eingebaut wurden.
Danach ging es weiter zur “Estacion Astronomica Muisca”, einem Observatorium der Muisca, der Ureinwohner Kolumbiens. Es wurde früher als eine Art Kalender benutzt und sieht ein bisschen aus wie Stonehenge – viele Steinmonolithen sind in einem speziellen Muster auf einer Rasenfläche angeordnet und wurden durch die Muiscas benutzt um zum Beispiel die Jahreszeiten zu bestimmen. Rundherum befinden sich außerdem viele riesengroße Phallussymbole aus Stein, die für die Fruchtbarkeit der Region stehen.
Während der Fahrt sahen wir links und rechts immer wieder wunderschöne Fincas. Aber ein Haus stach besonders hervor: das sogenannte Terrakottahaus. Es ist komplett aus Terrakotta gebaut, sogar das Bett, Lampen, Stühle, Deko … einfach alles. Am Abend radelten wir wieder zurück und trafen uns in einem kleinen Café mit Angies Geschäftspartner José, der Pferdeausritte in der Umgebung anbietet. Seine Frau Olga und die Freunde Juan und Sandra waren auch dabei und wir verabredeten uns für den nächsten Morgen für einen Ausritt. José lud uns noch ein und wir probierten Canelazo, ein heißes Getränk mit Zimt, Zuckerrohr, Limette und Aguardiente, ein Schnaps der wie Ouzo schmeckt.
Nach einem leckeren Frühstück, wieder am Plaza Mayor, hat uns Juan am Sonntagmorgen abgeholt. Ein paar Kilometer außerhalb von Villa de Leyva befindet sich die Finca von José. Er lebt dort mit seiner Frau Olga, 16 Pferden und 5 Hunden. Nach einer Führung durch das mit vielen Antiquitäten und Erinnerungsstücken wunderschön dekorierte Haus und dem Anwesen mit eigenem See erzählte uns Juan einiges über den richtigen Umgang mit den Pferden. Kolumbianische Pferde sind anders als z.B. europäische Pferde. Die kolumbianischen werden nur mit den Zügeln geführt und nicht mit den Sporen. Liliana sattelte unsere Pferde und jeder von uns machte sich mit seinem Pferd ein bisschen vertraut. Danach konnte der Ausritt beginnen.
Ich hatte ziemlich Respekt vor den Pferden, aber nachdem ich mich mit meinem Pferd Al Caravan bekannt gemacht hatte und ein paar Minuten Übung hatte, ging es ganz gut. Seppel’s Stute hieß Tomarichi und Angie hatte einen Hengst namens Fidel. Wir trabten vorbei an Tomatenplantagen, kleinen Fincas, Aloe Vera Feldern, vielen Hunden, ein paar Kühen und rundherum konnten wir die schöne Berglandschaft bewundern. In der hügeligen Landschaft ging es bergauf und bergab, aber irgendwann standen wir vor einem steileren Berg. Juan erklärte uns, dass die Pferde bergauf lieber etwas schneller gehen, da es für sie einfacher ist. Wir sollten die Zügel also etwas lockerer lassen und nicht “bremsen”. Mein Pferd hat diese Chance wohl gewittert und ist gleich los gesprintet. Links vorbei an Angie und rechts vorbei an Seppel kamen wir als erstes oben an. Ich habe nur versucht mich so gut es ging festzuhalten um nicht runter zufallen. Oben angekommen blieb Al Caravan dann zum Glück auch gleich wieder stehen. Mein Herz pochte und meine Knien zitterten ein wenig. So hatte ich mir das nicht vorgestellt! Da ich dadurch vor dem nächsten Berg noch mehr Respekt hatte, nahm Juan mein Pferd und mich im Schlepptau, damit es nicht wieder davon galoppierte. Gemütlich ging es dann wieder zurück in Richtung “Loma Amarillo”, dem Haus von José und Olga. Im Gegensatz zu mir wollte Seppel immer ein bisschen schneller reiten und mußte sein Pferd immer wieder dazu antreiben. Ich war ehrlich gesagt froh wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, aber es war ein sehr tolles Erlebnis. Auch wenn mir danach fast alles weh tat. Juan hatte sich auch sehr gut um uns, und vor allem um mich, gekümmert.
Zurück in Villa de Leyva ließen wir uns einen typisch kolumbianischen Grillteller “Pariada” schmecken: Morcilla (Reisblutwurst), Rind- und Schweinefleisch, Schwarte, verschiedene Kartoffeln und Kochbananen. Sehr deftig, aber gut! Bevor es wieder mit dem Bus Richtung Bogotá ging, spazierten wir am Nachmittag noch einmal durch die mit riesigen Kopfsteinen gepflasterten Gassen und zum Plaza Mayor, wo es sogar eine “Dorfkneipe” gibt.

One Comment

  1. Hallo Ihr Zwei Weltenbummler!

    Nachdem wir Eure Reiseberichte gelesen haben wollen
    wir Euch ein paar liebe Zeilen senden.
    Sind wie immer begeistert was Ihr alles erleben dürft.
    Genießt noch die schöne Zeit.
    Wir wünschen Euch weiterhin alles gute und noch
    Interesante Orte.

    Alles alles Gute O. Fr. u. T. Mon.

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