San Gil und Barichara

Unsere Zeit in Bogotá neigte sich dem Ende zu und mit Angie und ihrer Freundin Yury wollten wir gemeinsam das letzte Wochenende in San Gil verbringen. San Gil gilt als die Abenteuerstadt Kolumbiens. Hier gibt es z.B. Wildwasserrafting, man kann klettern, paragliden und wandern.
Freitagabend 23:30 Uhr stiegen wir in den Nachtbus. Hier erwarteten uns schon fast arktische Temperaturen, um nicht zu sagen, es war einfach nur saukalt. Die Busfahrer hier stellen die Klimaanlagen immer so niedrig ein, dass die meisten Passagiere sogar mit Winterjacke und Pudelmütze einsteigen. Wir kamen gut gekühlt am nächsten Morgen um 6:00 Uhr in San Gil an und legten uns im Gästehaus Sam’s Mansion erstmal eine Weile aufs Ohr, da wir im Bus nicht wirklich gut schlafen konnten. Seppel ging es dann leider nicht so gut, er hatte ziemliches Kopfweh, wahrscheinlich wegen der Klimaanlage im Bus. Deshalb blieb er auch im Bett. Wir drei Mädels sind frühstücken gegangen und danach mit dem Bus nach Barichara gefahren. Das ist ein sehr schönes kleines Städtchen und wird deshalb oft als Kulisse für kolumbianische Filme und Serien genutzt. Schmale Gassen mit Kopfsteinpflaster ziehen sich einen Berg hoch. Links und rechts stehen kleine weiß gestrichene Häuser mit grünen oder blauen Holztüren und Fensterläden. Es gibt keine Glasfenster sondern nur Fensterläden. In Barichara war alles ganz still und ruhig und es schien als ob die Zeit hier stehengeblieben ist. Wir spazierten durch die Straßen und hatten schöne Ausblicke auf die Stadt und die Berge. Die Terrakottaziegeldächer haben mir besonders gut gefallen und auch die Kuppel der alten Kirche, die man fast von überall sehen konnte. Nachdem wir uns den gemütlichen Ort angeschaut hatten, machten wir noch eine Wanderung auf dem Camino Real. Er wurde von Indigenen für einen Deutschen gebaut. Der Weg aus riesigen Kopfsteinpflastersteinen zog sich bergab und bergauf durch die trockene Landschaft. Leider war es recht diesig und die Berge waren nicht so gut zu sehen. Eine Stunde sollte die Wanderung bis zum Dorf Guane dauern, aber nach 1,5 Stunden war es immer noch nicht in Sicht und es blieb uns nicht mehr viel Zeit bis zum Sonnenuntergang. Wir liefen also immer weiter und endlich nach 2 Stunden sahen wir das Dorf. Der letzte Bus zurück nach Barichara war leider schon weg und ein Taxi ziemlich teuer. Wir fragten deshalb eine Reisegruppe und durften in ihrem großen Reisebus direkt bis San Gil mitfahren 🙂
Seppel ging es zum Glück schon etwas besser und am nächsten Tag konnten wir alle vier einen Ausflug zum Chicamocha Nationalpark machen. Wir fuhren zuerst mit dem Bus und dann mit einer Seilbahn hoch auf einen Berg. Vor dort hatten wir einen schönen Blick auf den Chicamocha Canyon und die umliegenden Berge. Die Landschaft war auch hier sehr trocken und es gab viele Kakteen.
In der Region um San Gil gibt es eine besonders exotische Delikatesse: “Hormigas culonas”.  Die riesigen dunkelbraunen Blattschneiderameisen werden gebraten oder geröstet und im ganzen gegessen. Natürlich haben wir die Ameisen auch probiert. Ameisen-Saison ist aber im August und deshalb haben unsere Ameisen einen etwas alten Nachgeschmack gehabt. Ansonsten sind sie wie salzige Chips.
Zurück in San Gil haben wir noch zusammen ein typisch kolumbianisches Abendessen mit viel Fleisch gehabt. Danach mussten sich Angie und Yury von uns verabschieden, denn für beide ging es wieder zurück nach Bogotá. Wir hatten noch einen Tag länger in San Gil bevor es weiter in Richtung Karibikküste ging. San Gil hat übrigens sehr steile Straßen, ich glaube sogar steiler als “die steilste Straße der Welt” in Neuseeland.

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